Blick über die Lagune von Venedig auf San Giorgio Maggiore, davor eine Gondel und Anlegepfähle im Abendlicht

Italien · Venetien

Venedig

Eine Stadt, die auf dem Wasser schwimmt

Reisebuch Italien  ·  Kapitel 3  ·  Lesezeit 4 Minuten

Venedig ist keine Stadt, die man besichtigt, man betritt sie wie eine Bühne. Wer vom Bahnhof Santa Lucia auf die Stufen tritt, hat plötzlich Wasser vor den Füßen, Boote statt Autos und Palazzi, die sich im Canal Grande spiegeln. Seit dem 5. Jahrhundert wächst die Stadt auf Pfählen in der Lagune, und bis heute bewegt man sich hier nur auf zwei Arten: zu Fuß oder übers Wasser.

Unterwegs

Zu Fuß und übers Wasser

Die beste Art, Venedig kennenzulernen, ist sich zu verlaufen. Die Gassen, hier Calli genannt, enden an Kanälen, öffnen sich zu stillen Plätzen oder führen über eine der unzähligen Brücken. Wer ein Ziel hat, folgt den gelben Schildern Richtung Rialto oder San Marco.

Übers Wasser geht es mit dem Vaporetto, dem Linienboot der Stadt. Die Gondel ist dagegen ein Erlebnis für sich: Eine Fahrt ist teuer, aber wer abends durch die schmalen Seitenkanäle gleitet, hört Venedig so leise wie sonst nie.

118

Inseln bilden die Altstadt in der Lagune

≈ 400

Brücken verbinden Gassen und Kanäle

4

Brücken führen über den Canal Grande

Geschichte

Die Stadt der Kaufleute

Über Jahrhunderte war die Republik Venedig eine der großen Handelsmächte am Mittelmeer. Ihr Reichtum steckt bis heute in Stein: im Markusdom mit seinen goldenen Mosaiken, im Dogenpalast und in den Palazzi entlang des Canal Grande.

Von der Rialtobrücke, der ältesten der vier Brücken über den großen Kanal, sieht man, wie eng Handel und Wasser hier zusammengehören. Gleich daneben liegt bis heute der Markt, auf dem morgens Fisch und Gemüse aus der Lagune verkauft werden.

„So stand es denn im Buche des Schicksals auf meinem Blatte geschrieben, daß ich … Venedig zum erstenmal … erblicken … sollte.“

Johann Wolfgang von Goethe, Italienische Reise, 28. September 1786

Reisezeit

Die beste Reisezeit

Am schönsten ist Venedig im Frühjahr und im Herbst, wenn das Licht weich ist und die Gassen ruhiger werden. Im Spätherbst und Winter kann Acqua alta die Stadt fluten, dann liegen Stege über dem Markusplatz.

An ausgewählten Tagen verlangt die Stadt seit 2024 von Tagesgästen ein Eintrittsgeld. Wer über Nacht bleibt, zahlt es nicht und erlebt dafür das Beste: Venedig am frühen Morgen und spät am Abend, wenn die Tagesbesucher gegangen sind.

Drei Tipps für den ersten Tag

1Früh auf den Markusplatz. Vor acht Uhr gehört die Piazza fast nur den Tauben und den Lieferbooten.

2Mit der Linie 1 den Canal Grande entlang. Das langsamste Vaporetto hält an fast jeder Station, die schönste Stadtrundfahrt zum Preis einer Fahrkarte.

3Cicchetti im Bacaro. In den kleinen Weinbars gibt es Häppchen auf die Hand und ein Glas Wein im Stehen, so isst Venedig am Abend.

Foto: Joshua Stannard / Unsplash. Zitat: Goethe, Italienische Reise (gekürzt).

Venedig – eine Stadt, die auf dem Wasser schwimmt