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Mount Fuji im Touristenansturm: Japans Wahrzeichen zieht die Grenze

Hunderttausende wollen jeden Sommer auf den Gipfel. Gebühren, Obergrenzen und Sperrzeiten sollen den heiligen Berg jetzt schützen.

Text: Redaktion  ·  Stand: Saison 2025  ·  Lesezeit: 6 Minuten

Video oben: Dominick Anskis / Artgrid

Der Fuji ist Japans höchster Berg, heiliger Ort und Motiv unzähliger Holzschnitte. Seit 2013 ist er UNESCO-Weltkulturerbe. Doch seine Beliebtheit hat eine Kehrseite: Müll, überfüllte Wege und erschöpfte Nachtwanderer. Die Behörden reagieren mit Regeln, die es so am Fuji noch nie gab.

Das Wichtigste in Kürze

→Seit 2025 kostet der Aufstieg auf allen vier Hauptrouten 4.000 Yen, umgerechnet rund 24 Euro.

→Auf dem Yoshida-Trail dürfen höchstens 4.000 Menschen pro Tag starten.

→Wer keine Hütte gebucht hat, kommt zwischen 14 und 3 Uhr nicht mehr durch die Tore.

Kultur

Ein Berg, tausend Bedeutungen

Der Fuji, auf Japanisch Fuji-san, erhebt sich 3.776 Meter hoch über der Hauptinsel Honshu. Seit Jahrhunderten ist er Pilgerziel, Sitz der Göttin Konohanasakuya-hime und Motiv für Dichter und Maler. Die UNESCO hat ihn 2013 deshalb nicht als Naturerbe, sondern als Kulturerbe ausgezeichnet: als heiligen Ort und Quelle künstlerischer Inspiration.

Für viele Menschen in Japan und weit darüber hinaus ist eine Besteigung ein Lebenstraum. Offiziell geöffnet sind die Wege nur im Sommer, von Anfang Juli bis Anfang September. In diesen gut zehn Wochen drängen sich die Massen auf wenigen Pfaden.

Rote Chureito-Pagode über der Stadt Fujiyoshida, dahinter der schneebedeckte Fuji

Die Chureito-Pagode in Fujiyoshida gehört zu den meistfotografierten Fuji-Motiven.

Andrang

Stau auf dem Weg zum Gipfel

In der Saison 2023 zählte das japanische Umweltministerium 221.322 Besteigungen, fast so viele wie vor der Pandemie. Die meisten starten auf dem Yoshida-Trail in der Präfektur Yamanashi, dem am besten erreichbaren Weg. An Spitzentagen stehen dort Tausende Menschen gleichzeitig am Hang, viele davon mitten in der Nacht.

Ihr Ziel ist der Sonnenaufgang über den Wolken, japanisch Goraiko. Wer ohne Übernachtung in einer Berghütte in einem Zug nach oben steigt, betreibt, was in Japan „Bullet Climbing“ heißt. Die Folgen sind Erschöpfung, Unterkühlung und Höhenkrankheit, dazu Einsätze für die Bergrettung (VOA, 2024).

221.322

Besteigungen zählte das Umweltministerium in der Saison 2023

62 %

davon starteten auf dem Yoshida-Trail an der Nordseite

3.776 m

hoch ist der Gipfel, Japans höchster Punkt

Sonnenaufgang über einem Wolkenmeer, im Vordergrund der Vulkanhang mit Schneeresten

Goraiko, der Sonnenaufgang vom Gipfel: Für diesen Moment starten viele mitten in der Nacht.

Im Video

Menschenschlangen am heiligen Berg

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Video (Englisch): euronews auf YouTube. Es wird erst nach deiner Zustimmung geladen.

Folgen

Müll, Staus und genervte Nachbarn

Mit dem Andrang wächst die Last für den Berg: Plastikflaschen, Verpackungen und sogar Kleidung bleiben am Wegrand zurück. Toiletten, Hütten und Rettungsdienste stoßen an ihre Grenzen, und Freiwillige tragen jedes Jahr Abfall ins Tal.

Zwei Wandernde auf einem Waldpfad, eine Person trägt einen vollen Müllsack

Aufräumen am Wanderweg: Was hinaufgetragen wird, muss auch wieder hinunter.

Auch unten am Berg kippt die Stimmung. In Fujikawaguchiko ging ein Foto um die Welt: der Fuji, der scheinbar aus dem Dach eines Lawson-Ladens wächst. Weil Besucherinnen und Besucher Müll hinterließen, auf Privatgrund liefen und den Verkehr blockierten, spannte die Stadt im Mai 2024 eine 2,5 Meter hohe und 20 Meter breite schwarze Netzwand vor das Motiv (t-online, 2024).

Eine Frau fotografiert an einer Straßenkreuzung den Fuji, der hinter einem Lawson-Laden aufragt

Der berühmte Blick in Fujikawaguchiko: der Fuji über einem Lawson-Laden.

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Neue Regeln

Gebühr, Obergrenze, Sperrzeit

Mit diesen Maßnahmen wollen die Präfekturen Yamanashi und Shizuoka den Andrang entzerren und den Berg schützen (The Japan Times, 2025).

4.000 Yen

Gebühr auf allen Routen

Rund 24 Euro pro Person. 2024 verlangte nur Yamanashi eine Gebühr von 2.000 Yen, seit 2025 kassieren alle vier Hauptrouten den doppelten Betrag.

4.000 / Tag

Obergrenze am Yoshida-Trail

Mehr Menschen dürfen dort pro Tag nicht aufbrechen. Tore am Einstieg zählen mit.

14–3 Uhr

Sperrzeit ohne Hüttenbuchung

Wer nicht in einer Berghütte übernachtet, kommt in dieser Zeit nicht mehr auf den Weg. Das soll Nachtsprints verhindern.

Online

Anmeldung vorab

Der Aufstieg wird vorab online angemeldet. So wissen die Behörden, wer am Berg unterwegs ist.

Debatte

Zwei Preise für zwei Klassen von Gästen?

Parallel wird in Japan über ein zweites Werkzeug gestritten: unterschiedliche Preise für Einheimische und internationale Gäste. Das Prinzip gibt es bereits anderswo, etwa in den Nationalparks von Thailand. Auch in Japan planen einzelne Sehenswürdigkeiten und Kommunen solche Modelle, die Debatte wird international aufmerksam verfolgt (New York Post, 2025).

Dafür spricht

Wer in Japan lebt, zahlt über Steuern ohnehin für Wege, Rettung und Pflege. Gäste auf der Durchreise würden fairer an den Kosten beteiligt.

Dagegen spricht

Kritiker sehen darin eine Benachteiligung nach Herkunft. Zudem ist an der Kasse schwer zu prüfen, wer als Einheimischer gilt.

Menschen an einem Aussichtspunkt blicken auf den Fuji

Aussichtspunkt am Fuji: Die meisten Gäste kommen zum Schauen, nicht zum Klettern.

Einordnung

Naturerlebnis mit Verantwortung

Der Fuji bleibt eines der großen Reiseziele der Welt. Die Frage ist nicht mehr, ob man ihn besucht, sondern wie. Wer eine Hütte bucht, statt die Nacht durchzusteigen, seinen Müll wieder mitnimmt und auch die stilleren Wälder und Seen am Fuß des Berges entdeckt, erlebt ihn entspannter und entlastet ihn zugleich.

Ob Gebühr, Obergrenze und Sperrzeit reichen, werden die nächsten Sommer zeigen. Klar ist: Der heilige Berg bekommt zum ersten Mal ein Tor.

Abseits der Hauptrouten: Sommerwald in Japan. Video: John Donica / Artlist

Quellen

Fotos: Unsplash (Willian Justen de Vasconcellos, ji tuneji3_3, Siddhesh Mangela, Ryunosuke Kikuno u. a.). Videos: Dominick Anskis / Artgrid, John Donica / Artlist. Umrechnungen gerundet, Regeln Stand Saison 2025.

Mount Fuji im Touristenansturm: Japans Wahrzeichen zieht die Grenze – Novamag